Ist eine Blasenentzündung ansteckend?
Aktualisiert am 13.01.2025

Ist eine Blasenentzündung ansteckend?

Autoren: , Fachärztin für Urologie & 

Schon wieder eine Blasenentzündung? Wo habe ich mich nur angesteckt? Wenn sich die lästigen Beschwerden einer Blasenentzündung bemerkbar machen, ist die erste Frage meistens, wie es dazu kommen konnte.

Natürlich ist es auch wichtig zu wissen, ob man seinen Partner und das häusliche Umfeld anstecken könnte und wie sich eine Infektion zukünftig vermeiden lässt. Alles Fragen, die Betroffene verständlicherweise beschäftigen:

Häufige Ansteckungsquellen

Woher habe ich die Blasenentzündung?

Wenn es um die Quelle der Ansteckung geht, werden oftmals sofort öffentliche Toiletten, Schwimmbäder oder häufiger Geschlechtsverkehr als Ursache vermutet – es gibt aber noch mehr (unerwartete) Ansteckungsquellen. Um die Frage hinreichend beantworten zu können, ist zunächst einmal wichtig zu wissen, was mit dem Begriff „Ansteckung“ eigentlich gemeint ist.

Darmbakterien als Verursacher

Wenn man allgemein von einer Ansteckung spricht, ist damit die Übertragung von Mikroorganismen (z. B. Bakterien, Viren, Pilze) auf den menschlichen Körper gemeint. Dabei können die Krankheitserreger entweder über direkten Körperkontakt oder aber indirekt über bestimmte Gegenstände übertragen werden.

Bei der akuten unkomplizierten Zystitis sind meist Bakterien aus dem Magen-Darm-Trakt der Gattung Escherichia coli (E. coli) die verursachenden Erreger – aber nicht nur von außen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer eigenen, natürlichen Darmflora – in der Genitalregion haben sie jedoch nichts zu suchen. Gelangen die Darmbakterien dort hin, können sie die typischen Beschwerden eines Harnweginfektes auslösen.

Sex, falsche Intimhygiene und fehlerhaftes Händewaschen als Hauptursachen

Eine der häufigsten Auslöser von Harnwegsinfektionen ist tatsächlich Sex. Dabei geht es aber weniger darum, dass Erreger vom Partner übertragen werden, sondern dass währenddessen Bakterien aus der eigenen Darmflora in die Genitalregion gelangen..

Darmausgang und Vagina trennen bei der Frau nur wenige Zentimeter. Beim Geschlechtsverkehr kann es daher passieren, dass die Bakterien den Ort wechseln, sich dort vermehren und eine Blasenentzündung verursachen.

Ausführlichere Informationen und nützliche Tipps dazu erhalten Sie hier: Honeymoon-Zystitis – Blasenentzündung durch Sex.

Der gleiche Mechanismus steckt hinter einer falschen Intimhygiene – wer nicht aufpasst, kann beim Toilettengang durch falsche Benutzung des Toilettenpapiers (nie ein gemeinsames Tuch zum Abputzen verwenden!) die auslösenden Darmbakterien in die Genitalregion übertragen und so eine Blasenentzündung riskieren.

Mehr Hinweise und Tipps finden Sie hier: Richtige Intimhygiene – Was muss ich beachten?

Öffentliche Toiletten aus dem falschen Grund verdächtig

Kann ich mich auf einer öffentlichen Toilette angesteckt haben? Das ist durchaus möglich. Allerdings sind verunreinigte Toilettensitze, die vielen dabei als erstes in den Sinn kommen, nur selten die Ursache. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Bakterien von einer der vielen öffentlich genutzten Oberflächen auf Ihre Hände und später in die Intimregion gelangt sind.

Das liegt daran, dass sich bei betroffenen Frauen im Urin – und demnach auch in Verunreinigungen auf dem Toilettensitz – deutlich weniger Bakterien befinden, als auf den Schleimhäuten der Genitalregion. Aus diesem Grund ist es viel wahrscheinlicher, dass die Bakterien während des Toilettengangs auf die Hände gelangen. Und genau dort liegt das Hauptproblem: Mit den verunreinigten Händen werden danach Türgriffe, Wasserhähne, Seifenspender etc. angefasst und die Bakterien so auf den Oberflächen verteilt, die anschließend auch von gesunden Menschen genutzt werden. Werden dann die Hände nicht ausreichend gründlich gewaschen, können so gesunde Frauen die Bakterien auf sich selbst übertragen und im schlechtesten Fall ebenfalls eine Blasenentzündung entwickeln. Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher am besten vor und nach der Benutzung öffentlicher Toiletten die Hände waschen.

Das gleiche gilt übrigens für öffentliche Schwimmbäder und Whirlpools. Auch hier ist eine direkte Übertragung der Bakterien im Wasser deutlich seltener als der Weg über gemeinsam genutzte Oberflächen.

Ansteckungsquelle Oberfläche – Wie kann ich mich schützen? Kann ich andere Menschen anstecken?

Natürlich können die Bakterien nicht nur im Bereich öffentlicher Toiletten verbreitet werden, sondern generell überall dort, wo viele Hände die gleichen Oberflächen nutzen:

  • Displays (Bank- und Ticketautomaten, Touchscreen-Bestellsysteme, Handys, Tablets)
  • Türgriffe, Rolltreppen, Treppengelände
  • Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Kartenlesegeräte, Stifte
  • Aufzüge
  • etc.

Die effektivste Maßnahme sich vor dieser Übertragungsform zu schützen ist gründliches Händewaschen mit Seife und das anschließend ausreichende Abtrocknen. Wenn Sie nach Hause kommen sowieso, eine gute Händehygiene empfiehlt sich aber auch unterwegs vor der Benutzung öffentlicher Toiletten. Umgekehrt gilt natürlich auch für alle betroffenen Frauen, die unter einer Blasenentzündung leiden, dass sie so die Ansteckung anderer gesunder Frauen verhindern können.

Ansteckungsrisiko für andere

Kann ich meinen Partner/ mein häusliches Umfeld anstecken?

Auf direktem Weg geschieht das eher selten. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die auslösenden Bakterien über gemeinsam genutzte Oberflächen im häuslichen Umfeld übertragen werden. Auch hier ist die effektivste Schutzmaßnahme wieder eine gründliche Händehygiene.

Nichtsdestotrotz sollte während einer Blasenentzündung lieber auf Sex verzichtet werden. Zum einen, um das Ansteckungsrisiko für den Partner so gering wie möglich zu halten, zum anderen kann der Geschlechtsverkehr die entzündeten Schleimhäute zusätzlich reizen und die Beschwerden einer Blasenentzündung dadurch verschlimmern.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: Sex bei Blasenentzündung

Blasenentzündung: Wann kann ich wieder Sex haben?

Das hängt davon ab wie schwer die Blasenentzündung ist und welche Ursache dahintersteckt. Grundsätzlich empfiehlt es sich damit bis zum vollständigen Abklingen der Beschwerden zu warten. Und zwar aus zwei Gründen: zum Schutz Ihres Partners und zu Ihrem eigenen. Denn auch, wenn Männer seltener an Blasenentzündungen erkranken, besteht trotzdem ein Ansteckungsrisiko für den Partner.

Und auch für den Heilungsprozess ist Geschlechtsverkehr während einer Blasenentzündung nicht förderlich. Durch die Entzündung sind die Schleimhäute in der Genitalregion gereizt und in ihrer eigenen Schutzfunktion geschwächt. Wer währenddessen Sex hat, reizt die empfindlichen Schleimhäute so zusätzlich und riskiert zudem die Einschleppung neuer Bakterien. Deshalb lieber warten, bis die Blasenentzündung vollständig ausgeheilt ist. In der Regel klingen die Beschwerden bei einer akuten unkomplizierten Blasenentzündung innerhalb einer Woche ab, manchmal kann es aber auch länger dauern.

Mehr dazu erfahren Sie hier: Wie lange dauert eine Blasenentzündung normalerweise?

Vorbeugung

Blasenentzündung: Wie kann ich mich am besten vor einer Ansteckung schützen?

Akute unkomplizierte Blasenentzündungen werden in den meisten Fällen durch Darmbakterien ausgelöst. Manchmal lässt sich eine konkrete Ansteckungsquelle ausfindig machen, das ist jedoch nicht immer der Fall. Es gibt aber zwei Grundregeln, die das Ansteckungsrisiko deutlich reduzieren, wenn sie konsequent eingehalten werden:

  • gründliche Händehygiene
  • richtige Intimhygiene

Hände waschen schützt vor Blasenentzündungen

Bakterien lauern auf jeder Oberfläche – auch solche, die eine Blasenentzündung verursachen können! Deshalb muss man sich jedoch nicht verrückt machen, denn es gibt ein einfaches und wirksames Gegenmittel: Händewaschen. Am besten für mindestens 20 bis 30 Sekunden mit Seife einschäumen und danach unter fließendem Wasser abspülen und abtrocknen – damit ist bereits der erste große Schritt zur Vorbeugung einer Infektion getan.

Richtige Intimhygiene – Was muss ich beachten?

Im Gegensatz zum Händewaschen ist im Intimbereich etwas Vorsicht vor übermäßigen und vor allem falschen Hygienemaßnahmen geboten. Wenn man ein paar Dinge beachtet, kann man jedoch vieles richtig machen.

Eigentlich verfügt der Körper über eigene, ganz natürliche Schutzmechanismen, die eine Ansteckung effektiv verhindern. Dazu gehören beispielweise Milchsäure bildende Bakterien, die sich in der Vaginalflora finden. Diese produzieren, wie der Name schon sagt, Milchsäure und schaffen dadurch ein saures Milieu in der Scheide. Der niedrige pH-Wert hindert krankheitserregende Bakterien daran einzudringen, sich zu vermehren und weiter im Körper aufzusteigen und dort eine Zystitis auszulösen.

Übermäßiger Gebrauch von Reinigungsprodukten erhöht das Infektionsrisiko

Durch eine übertriebene Intimreinigung besteht die Gefahr, dass dieses saure Milieu gestört wird. Denn viele Seifen, Duschgele und Pflegeprodukte haben einen höheren pH-Wert. Das liegt daran, dass der optimale pH-Wert für Gesicht- und Körperhaut höher liegt als für den Intimbereich. Deshalb Vorsicht bei übermäßigem Gebrauch von Reinigungsprodukten im Intimbereich – lieber weniger verwenden oder auf spezielle Produkte für den Intimbereich zurückgreifen, diese haben niedrigere pH-Werte und verändern deshalb weniger die natürliche Vaginalflora.

Geben Sie den Bakterien keine Chance sich festzusetzen

Auch einer Übertragung von Darmbakterien durch Sex kann man entgegenwirken. Versuchen Sie nach dem Geschlechtsverkehr einfach auf die Toilette zu gehen. Dadurch werden mögliche Bakterien direkt aus der Harnröhre wieder ausgespült und haben so gar nicht die Möglichkeit sich zu vermehren oder weiter aufzusteigen.

Dieser Effekt kann auch allgemein ganz einfach unterstützt werden: Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, am besten über den ganzen Tag verteilt. Dann werden Bakterien, die möglicherweise ihren Weg in die Intimregion und Richtung Harnröhre gefunden haben, gleich zu Beginn am Aufsteigen gehindert und können sich so gar nicht in den Schleimhäuten festsetzen.

Erkrankungen, Medikamente, Hormone: Was tun, wenn andere Faktoren das körpereigene Schutzsystem schwächen?

Leider gibt es natürlich auch systemische Faktoren, die die körpereigenen Schutzmechanismen beeinflussen können. Dazu zählen neben einigen Erkrankungen und Medikamenten auch hormonelle Veränderungen.

Grunderkrankungen stehen im Vordergrund der Behandlung

Diabetes mellitus, Nieren-/ oder Harnsteine, Tumore und andere Erkrankungen der Nieren beispielweise können die Zusammensetzung des Urins verändern oder den Abfluss des Harns stören und dadurch die Ansiedelung von Bakterien begünstigen. Hier ist es wichtig die Grunderkrankung zu behandeln und somit auch den auslösenden Faktor für die Zystitis bestmöglich zu beseitigen. Gerade bei immer wiederkehrenden Blasenentzündungen ist eine gründliche ärztliche Abklärung unbedingt zu empfehlen.

Mehr zu zum Thema chronische Blasenentzündung finden Sie hier: Interstitielle Zystitis: chronisch und rätselhaft

Ausführliche Besprechung der Medikamente kann helfen

Auch Medikamente können das Risiko für eine Blasenentzündung erhöhen. Beispielsweise führen bestimmte Antidiabetika, die sogenannten SGLT-2-Hemmer (Gliflozine), dazu, dass mehr Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Dieser dient vielen Bakterien als Energiequelle und fördert dadurch die Vermehrung und Ansiedelung der Krankheitserreger. Treten bei Ihnen häufiger Blasenentzündungen auf, kann es hilfreich sein, einmal alle Medikamente mit dem Haus- oder Frauenarzt durchzugehen, um eventuelle Risikofaktoren auszuschließen.

Hormonelle Veränderungen – natürlich und künstlich – können das Ansteckungsrisiko erhöhen

Auch Veränderungen der Hormonspiegel können die körpereignen Schutzfunktionen beeinflussen. Zum einen auf natürliche Weise, wie die zyklusbedingten Hormonschwankungen, die Wechseljahre oder auch eine Schwangerschaft. Je nach Spiegel der einzelnen Hormone kommt es zu Veränderungen in der Urinzusammensetzung oder auch zu einer muskelentspannenden Wirkung, die es den Bakterien erleichtert in den Harnwegen aufzusteigen.

Ausführliche Informationen und Tipps zu diesem Thema finden Sie hier: Blasenentzündung in der Schwangerschaft

Zum anderen greifen auch künstliche Maßnahmen wie hormonelle Verhütungsmethoden oder Hormontherapien in die natürlichen Hormonspiegel ein und können mitunter zu einem erhöhten Risiko für Blasenentzündungen führen. Das bedeutet aber nicht, dass jede Frau, die eine hormonelle Verhütungsmethode verwendet automatisch ein erhöhtes Risiko hat – wenn jedoch immer wieder Blasenentzündungen ohne erkennbare Ursache auftreten, lohnt es sich, dies einmal ärztlich abklären zu lassen.

Quellen

Autor/-in unseres Artikels
Dr. med. Michaela Hilburger
Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie
Studium
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
Berufliche Stationen
  • Klinikum Landshut gemeinnützige GmbH, Abteilung Urologie, Landshut
mehr Informationen ➚
Medizinische Prüfung des Artikels
Dr. med. Monika Steiner
Medizinisch geprüft von
Ärztin
Studium
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Berufliche Stationen
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung
mehr Informationen ➚

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Pflichtangaben

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

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